Hallo allerseits,
im ersten Moment war auch ich begeistert von der geheimnisvollen Atmosphäre die Richard Kelly in diesem Film geschaffen hat. Dessen vermeintliche Tiefe und Ausgeklügeltheit war es, die auch mich in seinen Bann gezogen hat. Dabei störte es nicht mal allzu sehr, das Knäuel nicht entwirren zu können.
Ich wurde neugierig und wollte im Netz mehr über den Film erfahren... Was ich fand ist eine herbe Enttäuschung!
Richard Kelly machte nämlich den Fehler und veröffentlichte jenen unsympathischen Ansatz1), der offenbar den Schlüssel liefert (jede mystische Begebenheit des Films wird durch das Konzept erläutert); gleichzeitig jedoch jeglichen "Zauber" nimmt und die unglaubliche Plattheit der Story herausstellt. Jetzt, nachdem ich die eigentliche Intention des Regisseurs kenne ist der ganze Film alles andere als plastisch; ich schließe mich der unten stehenden Kritik an!
Meine These ist, daß die Wirkung des Films "Donnie Darko" ein unwiederholbarer Zufallstreffer ist. Ich bin gespannt, ob ich Richard Kelly unterschätze2). "Southland Tales" bei dem er Verantwortung für Regie und Drehbuch trägt, läuft Ende 2006 in Deutschland an. Zeit hat er sich ja genug gelassen seit Darko. Mal sehen...
— Bernd Stark | Sep 2004/Jan 2006
1) Das oben erwähnte Konzept des Regisseurs befindet sich versteckt auf der Donnie Darko Homepage. Und zwar als fiktives Buch "The Philosophy Of Time Travel". Hier wurden die Fragmente zusammengetragen:
englisch: http://www.tonystuff.co.uk/darko-time.htm
deutsch: http://www.onma.net/darko/philosophy_of_time_travel.htm
2) "[...] Und der ganze Hype, der dann veranstaltet wurde um diesen ach so geheimnisvollen Film, war für den Regisseur wohl ebenso überraschend, wie günstig - konnte er doch die zum Teil fast haarsträubenden Interpretationen akzeptieren, wie auch propagieren...denn wie gesagt die Geschichte an sich ist simpel gedacht... [...]" — S. | http://www.filmszene.de/videodvd/donnie.html
Name: Ein Kritiker
Email: mail@adresse.de
Bewertung: -
Ich möchte hier mal eine andere Meinung zu dem Film etablieren. Angesichts der überschwenglichen, ausnahmslos positiven Rezensionen, von denen auch ich dazu animiert wurde mir den Film anzuschauen, fühlt man sich ja fast wie ein Verbrecher, wenn man nicht vorhat, ihn über alle Maßen wertzuschätzen, dennoch habe ich genau das vor.
Zunächst einmal möchte ich bemerken, dass ich es ein interessantes Phänomen finde, wie viele Leute sich anscheinend für Filme begeistern, die sich ihren eigenen Worten nach überhaupt nicht verstehen lassen. Ich kann ja nachvollziehen, dass viele Leute Spaß an Filmen haben, die zum Nachdenken anregen, im Falle von DONNIE DARKO halte ich die Story jedoch schon fast für eine Unverschämtheit. Dass niemand den Film auf Anhieb verstanden hat, haben ja alle Rezensenten bisher ehrlich zugegeben, dass sie dabei jedoch ohne fremde Hilfe auf halbwegs plausible und interessante(!!! und nur darauf kommt es bei einem guten Film an !!!) Lösungen gekommen sind wage ich zu bezweifeln.
Ich konnte nur Lachen, als ich in dem Regie-Kommentar des Films zum ersten Mal davon hörte, dass wir uns zu Anfang des Films unmerklich in ein Parallel-Universum bewegt haben... klar, wer denkt da nicht auch an den Übergang in ein Parallel-Universum, wenn eine Flugzeugturbine durchs Hausdach kracht. Da mit keinerlei Mitteln des Films in irgendeiner Weise darauf hingewiesen wird, halte ich es schon für eine nobelpreisverdächtige Leistung, wenn jemandem im Zusammenhang mit dem Film auch nur im Entferntesten der Begriff "Parallel-Universum" in den Sinn kommt. Was hier viele wohl für genial und reich an interpretatorischen Ansätzen empfinden, halte ich schlichtweg für eine unverzeihliche inszenatorische Schwäche des Films. Ich kann als Regisseur mangels guter Story den Plot natürlich immer soweit ausdünnen, dass am Ende nur noch ein zu interpretierendes Skelett übrigbleibt. Wenn mein Story-Konstrukt jedoch auf persönlichen Gedanken einer "Zeitreise-Philosphie" aufbaut, die, das muss wirklich jeder zugeben, so abstrus sind, dass sie einer Erklärung bedürfen, dann bleibt bei einem solchen Vorgehen am Ende rein gar nichts übrig.
Wer Spaß daran hat in ein solches, ohne weitere Hilfe nicht erschließbares, Nichts seine Gedanken treiben zu lassen, dem sei es gegönnt, kann doch nur etwas besseres herauskommen als das vom Regisseur geplante, diese Leistung jedoch dem Regisseur bzw. Drehbuchschreiber zukommen zu lassen grenzt schon an Selbstbetrug. Den Gipfel finde ich dann, dass die ominöse "Zeitreise-Philosophie" im Internet veröffentlicht wurde, anhand derer man den Film erst verstehen kann. Seitwann muss ich mir Informationen im Internet besorgen um einen Film zu verstehen? Den Kritikern, die jetzt einwenden, dass man auch eine persönliche Interpretation des Films entwickeln kann, kann ich nur entgegnen, dass sie sich besagte "Zeitreise-Philosophie" einmal durchlesen sollten, denn dann erkennt man sehr rasch, dass der ganze Film wirklich darauf aufgebaut wurde. Zu dumm nur, dass davon im Film nicht ausführlich genug berichtet wurde. Wer dennoch auf diese Lösung kommt: Respekt, aber derjenige könnte sich sicherlich auch ohne Probleme vorstellen, dass sich die gesamte Geschichte von LOLA RENNT nur im Holo-Deck an Bord der Enterprise abspielt.
Das, was nach Internet-Recherche an Story übrigbleibt ist einfach grottenschlecht und darüberhinaus, was ja über einen Film mehr aussagt, auch noch genauso schlecht erzählt. Der Film wird gemeinhin als Genre-Mix aus Science Fiction, Fantasy, Psychothriller, Teeniekomödie, Drama und Coming-out-of-age-Film bezeichnet; diese jedoch sehr weit hergeholten Typisierungen halte ich schon allein durch die aufgezählte Vielfalt unglaubwürdig und inhaltlich falsch. Wird aus DONNIE DARKO eine kleine Teeniekomödie, nur weil drei Halbstarke blöde pornografische Witze über Schlümpfe machen, das ganze noch dazu in einer Szene, die an Inhaltslosigkeit und Überflüssigkeit kaum zu überbieten ist? In dem Zusammenhang wirkt es dann noch unverständlicher, wie Richard Kelly elementare Szenen rausschneiden konnte, wie die, in der sich aufklärt, dass es sich bei Donnies Psychopharmaka lediglich um Placebos handelt. Die gepriesene "Vielfalt" halte ich für eine filmische Inkonsequenz, noch dazu, wenn der Film im Kern aus o.g. Gründen als Science-Fiction-Film angelegt ist.
Auch Klassifizierungen wie Drama oder Coming-out-of-age sind übertrieben, zumal die damit gemeinten Filmszenen belangloser nicht gezeigt werden können. Nie habe ich mich weniger für "dramatische Wendungen" interessiert wie in diesem Film; man nimmt sie nicht mal wirklich als solche wahr, umso unverständlicher, dass dies immer so hervorgehoben werden (gennant seien die Kündigung der Deutschlehrerin oder die Entdeckung der kriminellen Machenschaften des New-Age-Gurus). Parallelen zu AMERICAN BEAUTY, wie sie von etlichen Leuten beschrieben werden, kann ich beim besten Willen nicht entdecken.
Einen der schlechtesten Aspekte des Films finde ich jedoch immer noch das Drehbuch bzw. die Regiearbeit. Kelly schafft es, dass sein Film, der aufgrund seiner Konstruktion eigentlich auf einen entscheidenden Punkt zuläuft (wie befinden uns in einer Zeitreise-oder sonstwas-Geschichte!), denselben einfach komplett zu unterschlagen. Ich hatte beim ersten Betrachten ständig Angst, dass der Film einfach aufhört ohne dass irgendetwas passiert, was dann auch tatsächlich eingetreten ist. Die entscheidende Stelle des Films ist einfach nicht vorhanden, was ihn ad absurdum führt.
Noch schlimmer ist die Kameraarbeit: nicht die Bilder, die sind für die Low-Budget-Produktion akzeptabel. Unverzeichlich finde ich jedoch die völlig unmotivierten Spielereien mit der Abspielgeschwindigkeit (manche Szenerie-Shots werden für kurze Zeit in eine lächerliche FAST-FORWARD-Geschwindigkeit geschaltet) und, das allerschlimmste, die schrecklichen 90°- oder 360°-Drehungen der Kamera, die einfach bescheuert aussehen. Wenn damit angedeutet werden soll, dass das "Raum-Zeit-Gefüge" außer Kontrolle ist (die einzige Erklärung, die mir dazu einfällt), kann man sich wirklich nichts schlechteres aussuchen. Noch dazu werden diese Effekte an Stellen eingesetzt, die dann nichts mit der Aussage zu tun haben.
Zum Schluss auch was Positives: Schauspielerisch ist der Film, zumindest was die Hauptdarsteller angeht, wirklich auf hohem Niveau. Jake Gyllenhaal als Donnie verkörpert perfekt den etwas undurchsichtigen aber rebellischen Teenager. Auch Mary McDonnell, die hier wie eine amerikanische Deneuve wirkt, ist selbst in ihrer kleinen Rolle als Mutter von Donnie beeindruckend.
Der Soundtrack des Films, da muss ich mich den anderen Kritiken anschließen, ist gelungen. Ich bin zwar kein Fan von 80er Mukke, aber die Musik schafft es, dem Film eine eigene Aura zu verleihen. Ein solcher Soundtrack ist bei einem solch winzigen Budget ein wahrer Glücksfall.
Mein Fazit des Films ist, dass es sich bei DONNIE DARKO um einen hervorragend besetzten, aber unverzeihbar schlecht inszenierten Science-Fiction-Film handelt. Dabei liegt die Betonung wirklich auf der Inszenierung, denn die Geschichte an sich besitzt zumindest Potential. Dass es nach Aussage des Regisseurs viele gültige Interpretationen des Films gibt halte ich für eine strategisch geschickte Reaktion auf den Hype, der sich im Untergrund um den Film aufgrund seiner Unverständlichkeit entwickelte. Nur unverbesserliche Fans des Genres werden diesen Film mögen. FÜr alle anderen lässt sich zusammenfassen:
DONNIE DARKO - oder wie man mittels Superhelden-Kräften eine Flugzeugturbine in ein Wurmloch stopft, ohne dass es jemand mitbekommt!
Wen es interessiert, hier zwei Links zur Interpretationshilfe:
http://www.tonystuff.co.uk/darko-spoilers.htm
http://www.senseofview.de/review/417